DadaTux Blog
Adios, USA!
Es gibt kaum eine Route zwischen Bend und Bellingham, die ich noch nicht gefahren bin. In Bend befindet sich die Autowerkstatt, die einige Modifikationen und Services am Van vornahm. Bei ihnen habe ich auch die neuen Reifen bestellt. Ich habe die Weiterentwicklung der bisherigen Reifen gekauft. Ob die neuen Reifen wirklich langlebiger sind und weniger Diesel verbrauchen, kann ich noch nicht beurteilen. Ich habe jedoch das Gefühl, dass sie weniger Lärm beim Fahren machen.
Beim Wegfahren von der Werkstatt meldete der Van, dass ich die Schlüsselbatterie wechseln soll. Da stellt sich mir die Frage: Wie öffne ich den „Schlüssel”, der im eigentlichen Sinn nur ein Funkgeber ist? Der Schlüssel muss sich einfach im Bereich des Fahrersitzes befinden, damit sich der Motor starten lässt. Das heisst, nur wenn man zusätzlich die Bremse drückt. Suche ich in der gedruckten Bedienungsanleitung oder schaue ich auf YouTube? Ich entschied mich für eines der vielen YouTube-Videos. In meinem Vorrat fand ich keine Ersatzbatterie. Für die Weiterfahrt kaufte ich Lebensmittel und Batterien. Allerdings war die Meldung nach dem kurzen Entfernen und wieder einsetzen der Batterie weg.
Ich entschied mich, auf der US 97 etwa 100 Meilen nordwärts zu fahren. Am 22. Oktober 2024 fuhr ich in die Gegenrichtung. Auf einem grossen Kiesplatz, etwas abseits der Strasse, parkte ich den Van. Obwohl sehr viele LKWs auf dieser Strasse fahren, war die Nacht ruhig.
Vor der Weiterfahrt stellte ich trotz des nicht sehr guten Handyempfangs den letzten Blogbeitrag online. Es war schon Nachmittag, als ich mit dem Blog fertig war. Nicht sehr konzentriert schaute ich, wie weit ich noch fahren wollte. Wie sich gegen Abend herausstellte, war dies ein Fehler. Der Columbia River bildet die Grenze zwischen Oregon und Washington. Auf der Oregon-Seite füllte ich den Tank mit Diesel. In Washington ist Diesel teurer. Über die Brücke des Columbia River und weiter in Richtung Norden bin ich vor drei Jahren schon einmal gefahren. Bei Toppenish gelangt man ins Apfelgebiet von Washington. Neben den Plantagen mit niedrigen Apfelbäumen liegen ein paar Weingüter und Hopfenfelder. Als Übernachtungsort wählte ich auf dem Navi einen Rastplatz auf der Interstate 82. Zwei Dinge waren blöd. Ich hatte noch ausgeschaltet, dass das Navi Autobahnen berücksichtigt. Ich wollte ja kleinere Strassen fahren. Zudem hatte ich auf die Schnelle den Rastplatz auf der Gegenfahrbahn markiert. So landete ich in einer Apfelplantage nahe dem Rastplatz. Zu Fuss hätte ich zum Rastplatz laufen können. Okay, selber schuld. Den richtigen Rastplatz mit der schönen Aussicht fand ich nach diesem Umweg jedoch leicht.
Auf der Highway 2 bin ich noch nie gefahren. Kurz vor Leavenworth trifft die US 97 auf die US 2 und die Gegend könnte auch im Voralpengebiet sein. Daher wunderte es mich nicht, dass ich in Leavenworth eine Bavarian Bakery (inklusive bayerischer Flagge), Wegweiser zur Alpenseestrasse, das Enzian Inn usw. sah. Die US 2 ist wirklich schön zu fahren. Sie führt durch viel Wald. Am Sonntag gab es einfach sehr viel Ausflugsverkehr. Ab Gold Bar ging es fast nur noch im Schritttempo weiter. In Snohomish stellte ich den Van für die Nacht an einer ruhigen Strasse ab. Manchmal frage ich mich, wie die vielen Läden überleben, die so wunderbare Staubfänger verkaufen, die angeblich die Wohnung verschönern sollen. In der kurzen Einkaufsstrasse von Snohomish gab es einige dieser Läden.
Ich fuhr übers Land nach Bellingham. Entlang der schmalen Strasse der Chuckanut Bay musste ich eine Vollbremsung machen. Ein mir entgegenkommendes Auto schnitt eine unübersichtliche Kurve zu stark ab. Es ging noch gut, und im Van blieb alles auf seinem Platz. Bevor ich den Van vor Beate's Haus abstellte, kaufte ich beim Co-op Tiramisu. Für die USA ist dieses Tiramisu quasi zuckerlos.
Eine Woche lang stand der Van vor Beate's Haus. An einem Abend kochte ich für Andreas und Beate etwas sehr Ur-Schweizerisches: Älplermagronen. Andreas war zweieinhalb Wochen mit seinem Segelboot in Kanada unterwegs. Ich lernte beide, Andreas und Beate, kennen, als ich mit dem Segelboot in Bellingham ankam. Jedes Mal, wenn ich in der Region vorbeikomme, besuche ich sie. Am Sonntagnachmittag begleitete ich Beate zu einem Benefizkonzert für die Behandlung eines an Krebs erkrankten Menschen. Zwei Freunde von Beate holten uns ab. Südlich von Bellingham, im uramerikanischen Old Edison Inn, spielte eine Band. Der Gitarrist sei der Beste der ganzen Region, hatte man mir gesagt. Das Publikum war zwischen 55 und 80 Jahre alt.
Am Montag verabschiedete ich mich. Zunächst suchte ich eine Werkstatt für Windschutzscheiben. Die erste hatte erst am nächsten Tag Zeit. In der zweiten Werkstatt bekam ich einen Termin am frühen Nachmittag. Auf einer Baustelle wurde mir von einem überholenden Auto ein kleiner Stein an die Scheibe geschleudert. Für 80 $ wurde die kleine Prellung ausgebessert. Die Wartezeit überbrückte ich in einem Waschsalon und beim Einkaufen.
Der Co-op verkauft viele Sachen offen. Ich deckte mich mit Gewürzen, Nüssen, Müsli und Weizenkörnern ein. Aus dem Weizen mache ich Sprossen für mein Müesli zum Frühstück.
In den Indianer-Reservaten gelten andere Steuerregeln. Dort ist Diesel in der Regel viel billiger. Neben der I-5 in Richtung Kanada gibt es eine grosse Tankstelle. Pro Gallone (3,78 Liter) war der Diesel 1,40 $ günstiger. Zudem gibt es eine Dump-Station (Abwasserentsorgung) und Trinkwasser steht zur freien Verfügung. So überquerte ich die kanadische Grenze ohne Abfall. Ich wusste nicht mehr, dass man keine Äpfel nach Kanada mitnehmen darf. Umgekehrt weiss ich es noch. So musste ich meine drei Äpfel in eine Mülltonne werfen. Als ich dem Zollbeamten sagte, dass ich eventuell fünf Monate in Kanada bleiben würde, fand er das in Ordnung.
Südlich von Vancouver, in South Surrey, parkte ich über Nacht auf dem grossen Sportgelände „South Surrey Athletic Park“ mit Blick auf einen Kinderspielplatz. In einem Supermarkt mit grossem Bioangebot kaufte ich die gleiche Sorte US-Äpfel wie die, die ich an der Grenze wegwerfen musste. Manchmal kann ich die Regeln einfach nicht nachvollziehen. Für die Weiterfahrt nach Norden wählte ich die gleiche Route wie vor drei Jahren. Die BC 99 führt erst am Howe Sound entlang bis nach Squamish. Danach geht es nach Whistler. Vor drei Jahren wanderte ich in diesem Skigebiet. Hier wurden die Skirennen der Winterolympiade 2010 ausgetragen. Ein paar Kilometer nach Whistler entdeckte ich in der App iOverlander einen Platz am Green River. Nach 50 Metern war der schmale, steile Feldweg zum Green River überschwemmt. Alleine hatte ich keine Lust, ein Risiko einzugehen. Die grossen Steine im Wasser sahen nicht vertrauenserweckend aus. Wenden konnte ich nicht, sondern musste den ausgewaschenen Weg nur langsam rückwärts zurückfahren. In Pemberton fand ich schliesslich einen Platz, von dem aus man durch die Bäume die Berge sehen konnte.
Die weitere Fahrt auf der BC 99 über den Cayoosh Pass kam mir wie ein Gebirgspass in der Schweiz vor. Und tatsächlich traf ich auf dem überfüllten Parkplatz des Joffre Lakes Trails einen Schweizer Camper mit einem Graubündner Nummernschild. Es reichte nur für einen kurzen Schwatz, bevor wir weggeschickt wurden. Jedes Mal, wenn ich einen Fotostopp einlegte, kam mir der Gedanke, dass ich an dieser Stelle schon einmal für ein Foto gestanden hatte. Während der Fahrt hörte ich das Hörbuch „Maschinen wie ich” von Ian McEwan. Die Landschaft änderte sich immer wieder. Von sehr grün über eher braun bis wieder grün. Nach 367 Kilometern parkte ich den Van in Williams Lake auf einem RV-Parkplatz neben einem grossen Park.
Die Nacht war erstaunlich ruhig. Im nahen Schwimmbad holte ich meine Körperpflege nach. Die Dusche war für meinen Geschmack kühl, ebenso die Sauna mit 73 °C. Ich bezahlte 4,30 CHF Eintritt. Der Eintritt zu öffentlichen Schwimmbädern ist in Kanada und den USA sehr günstig. An der städtischen Dump-Station für Wohnmobile entsorgte ich mein Abwasser und füllte Trinkwasser auf. Erst nachdem ich in Bellingham die Windschutzscheibe reparieren liess, sah ich, dass sich ein alter Steinschlag auf der rechten Seite eventuell vergrössert hat. Vor zwei Jahren liess ich diese Prellung reparieren. Eine Reparaturstelle hatte Zeit, füllte die Prellung auf und wollte kein Geld dafür. So hinterliess ich ein Trinkgeld und fuhr nach einer Viertelstunde weiter.
Ich wollte noch einmal in die Goldgräber-Museumsstadt Barkerville. Als ich vor drei Jahren dort war, regnete es. Ich überlegte hin und her: Soll ich den direkten Weg über die BC 97 nehmen, der 2 ½ Stunden dauert, oder auf Forststrassen etwa 6 Stunden fahren? Ich entschied mich für Dusche und Sauna. Danach noch sechs Stunden zu fahren, war mir zu lang. Vor drei Jahren fuhr ich beide Wege, keine Strecke war mir neu. In Wells, sieben Kilometer vor Barkerville, entschied ich mich, auf dem alten, verlassenen Campingplatz zu übernachten. Ursprünglich wollte ich einen Platz im Wald suchen, aber der Ausblick in Wells gefiel mir besser.
Diesmal konnte ich mir die Museumsstadt Barkerville ohne Regen anschauen. Dafür gab es einige Mücken. In Barkerville gab es eine Chinatown. Aus China wurden billige Arbeitskräfte für die Goldminen angeworben. Sie wurden in kleinen Hütten untergebracht. Wie vor drei Jahren besuchte ich die Musical-Show im Theater. Ich wollte schauen, ob sich die Show verbessert hat. Ich glaube, sie ist noch banaler geworden. Die Schulkinder und die Leute im Saal sangen eifrig mit. Wobei, die Pianistin spielte gut. Zwischendurch trat kurz ein Paar der First Nations mit Trommeln auf. Später trat ein Chinese mit einem zweisaitigen Instrument auf. Das Stück, das er zusammen mit der Pianistin spielte, war das Beste der ganzen Show.
Als ich zum Weiterfahren in den Van stieg, fielen die ersten Regentropfen. Auf der Fahrt in Richtung Prince George hörte ich das Ende des Hörbuchs „Maschinen wie ich”. Ian McEwan spielt darin mit der Zeit und Technologie. Im Jahr 1982 gibt es KI-Roboter (Androiden), die von echten Menschen kaum zu unterscheiden sind. Grossbritanien verliert die Falklandinseln an Argentinien. Dies wiederum stärkt die Militärjunta, statt dass diese daran zerbricht. Dafür muss Margaret Thatcher zurücktreten. Prinzipiell geht es in dem Roman um die Beziehung zwischen Charlie, Miranda und dem Androiden Adam.
Der von mir auf iOverlander gewählte Platz war mir zu nah an der Hauptstrasse. Ich fuhr den Waldweg weiter, bis ich eine gute, ebene Stelle fand. Beim kurzen Erkunden der Gegend sah ich, dass ich ganz in der Nähe von Eisenbahngeleisen war. Ich liess es darauf ankommen, wie viele Güterzüge hier durchfahren würden. Ein Güterzug fuhr nachts um eins hupend vorbei, der nächste erst am Morgen um 9:30 Uhr.
Am Abend lief ein Schwarzbär vorbei. Knapp konnte ich ihn noch mit dem Handy fotografieren.
Die Mücken in Barkerville fanden mich anscheinend gut. Ihre Stiche jucken mich am ganzen Körper. Am Morgen fuhr ich auf der BC 97 weiter bis zum kleinen Heart Lake im Pine Lake Provincial Park. Der BC-Park hat einen einfachen, kostenlosen Campingplatz am See. Ausser Abfalleimern, Plumpsklos, Feuerstellen, Bänken und Tischen ist keine Infrastruktur vorhanden. Eine halbe Stunde vor dem Heart Lake machte ich einen Zwischenhalt bei den Bijoux Falls. Dieses Mal kam mehr Wasser über die Felsen hinunter. In der Nähe wurde ich von einem feinen Wassernebel geduscht.
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