Ich blieb einen Tag länger am Jackson Flat Reservoir, das sich südlich von Kanab befindet. Der See ist klein. Ich umrundete ihn in einem gemütlichen 1 ½ stündigen Spaziergang. Am dritten Morgen reichte mein Wasservorrat noch knapp für den Abwasch des Frühstücksgeschirrs. Als ich am See ankam, war der Tank noch halb voll (oder halbleer?). In Kanab kann man bei einer Tankstelle gratis den Abwassertank leeren und Trinkwasser auffüllen. Ohne die Verpflichtung, den Dieseltank zu füllen. Im lokalen Supermarkt füllte ich meine Vorräte auf. Vor der Weiterfahrt duschte ich ausgiebig im Freibad.

Jackson Flat ReservoirJackson Flat ReservoirKaktus

Auf der Hauptstrasse US 89 fuhr ich 80 Meilen (128 Kilometer) nördlich bis zur Utah SR 20, in deren Wäldern vermutlich viele Hirsche oder Rehe leben. Auf der rechten Strassenseite zählte ich acht tote Tiere. Nach ein paar Kilometern auf der SR 20 zweigt die originale Route des «Old Spanish Trail» ab. Nach einem kurzen Stück auf der gut befahrbaren Schotterstrasse fand ich einen geeigneten Schlafplatz. Der Handyempfang war schlecht, dafür konnte man trotz des hellen Mondes den Sternenhimmel gut sehen. Gegen Morgen wurde es stark bewölkt. Im Van hatte ich 15 °C, draussen waren es 10 °C. Vor 175 Jahren war dieses Teilstück des «Old Spanish Trail» noch nicht so bequem zu befahren. Vor allem, wenn man die Stossdämpfer weicher einstellen kann und den Luftdruck der Reifen reduziert. Weder ein 4x4-Fahrzeug noch ein Fahrzeug mit höherer Bodenfreiheit ist auf dieser Strecke nötig. Die Schränke des Wohnmobils sollten bei den Vibrationen zu bleiben und das Geschirr darin sollte ganz bleiben. Ich höre immer wieder, dass Leute deswegen mit grösseren Wohnmobilen Schotterstrassen vermeiden. Mein relativ kleiner Van hat da einige Vorteile, auch wenn der Platz für 2 Personen beschränkt ist.

Nähe US 20Old Spanish TrailOld Spanish Trail

Kurz vor der Interstate15 blieb ich stehen und nutzte den guten Handyempfang, um mit guten Freunden in Kontakt zu bleiben. Als ich die Reifen wieder mit normalem Strassendruck befüllte, begann es zu regnen. Erst die Reifen füllen und danach schreiben wäre trockener gewesen. Allerdings begann es erst, als ich ganz fertig war, richtig stark zu regnen. Allzu lange regnete es nicht stark. Ich kreuzte die Interstate 15 und machte einen Halt bei den Parowan Gap Petroglyphen.

Old Spanish TrailOld Spanish TrailOld Spanish Trail

Diese alten Felsritzungen befinden sich in einem Felseinschnitt, der schon seit Jahrhunderten als Durchgang genutzt wird. Kurz danach bog ich auf die SR 130 ein. Nach dem Ort Minersville fuhr ich den Berg hinauf in Richtung der alten Minen. Auf einem ebenen Platz blieb ich stehen. Eine schöne Aussicht, guter Handyempfang – was will man mehr. Ach ja, vielleicht weniger Regen, wobei mir die Regenbogen doch gefallen. Später verzogen sich die Regenwolken und machten Platz für den Mond und ein paar Sterne.

Reifen füllenNähe Interstate 15Parowan Gap Petroglyphen

Welche Route soll ich bis Bend in Oregon nehmen? In sechs Tagen sollte ich dort sein, um die Reifen und das Motorenöl zu wechseln. Der schnellste Weg ist 870 Meilen (1400 Kilometer) lang. Für mich ist der Weg das Ziel, daher nehme ich lieber nicht den schnellsten und direktesten Weg. Ohne den teuren Nationalpark-Pass fahre ich an den Parks vorbei. Einkaufen, Wasser- oder Dieseltanken muss ich nicht. In der App iOverlander habe ich einen vielversprechenden Platz kurz vor der kleinen Ortschaft Baker gefunden.

Parowan Gap PetroglyphenParowan Gap PetroglyphenParowan Gap Petroglyphen

Nach Milford wurde die verkehrsarme Utah SR 21 (Ely Highway) sehr geradlinig. Vor einem Hügelzug gab es, wenn die Strasse sonst zu steil geworden wäre, zwei oder drei Kurven. Bergab gab es eventuell auch eine leichte Kurve. Ansonsten ging es immer wieder zehn oder 15 Kilometer geradeaus durch die Prärie bis zum nächsten Höhenzug. Einmal sprang ein Pronghorn (Gabelbock) vor mir über die Strasse. Wegen einiger Rinder auf der Strasse bremste ich ab. Auf dem Segelboot hatten wir einen Autopiloten, der den Kurs hielt. Auf dieser Strecke hätte ich einen Autopiloten im Van gut gebrauchen können. Kurz vor meinem Ziel passierte ich die Grenze von Utah nach Nevada. Dadurch wurde mein Tag um eine Stunde verlängert. Die Strasse wurde von der SR 21 zur SR 487 (Baker Road). Auf dem Platz stand ein grösseres WoMo. Es hätte noch ausreichend Platz für mich gegeben. Ich zog es jedoch vor, den ausgewaschenen Feldweg weiter hinaufzufahren. Dank der Bodenfreiheit meines Vans war der Weg kein Problem. Eine geeignete Stelle fand ich schnell.

bei Parowan Gap PetroglyphenNähe MinersvilleNähe Minersville

In Baker konnte ich für 8 $ ausgiebig duschen, Wasser auffüllen, Grauwasser ablassen und den Abfall entsorgen. Prinzipiell hätte man statt bar auch mit der App Venmo zahlen können. Ich installierte die App. Bei der Konfiguration wollte es mein Passwort jedoch nicht akzeptieren. Mein Passwort war zwischen 8 und 20 Zeichen lang, enthielt Sonderzeichen, Zahlen und Gross- und Kleinschreibung. Ich versuchte verschiedene Variationen, doch es wurde jedes Mal abgelehnt. Irgendwann hatte ich eines, welches akzeptiert wurde. Als Nächstes wurde meine Kreditkarte nicht akzeptiert. Obwohl meine Kreditkarten-App die Verbindung zu Venmo akzeptierte, wurde meine Karte von Venmo trotzdem nicht akzeptiert. Nach ungefähr einer halben Stunde gab ich auf. Ich warf die acht Dollar bar in den rostigen Kasten und löschte die App von meinem Handy.

Nähe MinersvilleNähe MinersvilleNähe Minersville

Ausserhalb von Bake sah ich den Wegweiser zu einer archäologischen Stätte, die Baker Archeological Site oder Barker Village. Viel sah man nicht. Vor 700 Jahren lebten hier einmal Menschen. Auf einem Blatt stand, dass die Häuser vermutlich nach jahreszeitabhängigen Sonnenwinkeln ausgerichtet wurden. Wenn eines der Häuser in der Linie des Sonnenaufgangs steht, ist es ein guter Zeitpunkt zum Säen. Ein anderes Haus markiert die Erntezeit und so weiter. Ähnliches habe ich schon in ganz anderen Kulturen gelesen und gesehen. Vermutlich war es vor 700 Jahren grüner in dieser Region. Damals wurde das Wasser noch nicht für Las Vegas abgeleitet.

Nach der Bergbaustadt Ely fuhr ich auf der „einsamsten Strasse von Amerika”. So bezeichnete das Life-Magazin 1986 abschätzig diesen Teil der US 50.

Utah SR 21Utah SR 21Utah SR 21

Früher wurde bei Ely im grossen Stil Kupfer abgebaut. Dabei wurden ganze Berge aufgeschüttet. Heutzutage wird nicht mehr viel gefördert. Die Strasse quert mehrere Wüstentäler, die durch Hügelketten voneinander getrennt sind. Auch hier fährt man durch die Täler endlose gerade Strecken. Auf dem letzten Pass kurz vor Eureka finde ich abseits der Strasse einen Platz zum Übernachten.

Utah SR 21Baker Archeological Sitevor Ely

Ich habe einen ungebetenen Gast: einen Schwarzfahrer oder blinden Passagier. Ich sass auf der Toilette und sah auf einmal eine Maus im Van, keine Halluzination. Aufspringen konnte ich nicht sofort. Ich öffnete alle Türen und machte mich auf die erfolglose Suche. Es gibt im ganzen Innenausbau so viele Ritzen, die ich nicht erreichen kann. Ich müsste alles gewaltsam herausreissen.

vor ElyKupferbergwerk bei Elykurz vor Eureka

Wenn ich die Reise im Voraus genauer geplant hätte, wäre dies nicht passiert. Am Morgen sah ich, dass es eine kleinere Strasse als die geplante Hauptstrasse gibt, um weiter nach Norden zu fahren. Sie ist zwar kürzer, aber man braucht mehr Zeit. Um zu dieser Strasse zu gelangen, muss ich 13 Meilen zurückfahren. Rund ein Viertel der 210 Kilometer langen Strecke ist Schotterstrasse. Der Streckenverlauf führt über eine Hochebene (1800 m). Selten fahre ich an einer Farm vorbei. Die Schotterstrasse ist der Landschaft angepasst. Sie führt ein wenig rauf und runter, wie über überdimensionierte Bodenwellen. Ein Teil der Strecke folgt der historischen Route des Pony Express. Der Pony Express war ein Postdienst zu Pferd. Für die rund 3100 Kilometer lange Strecke von Missouri nach Kalifornien benötigte ein Brief im Jahr 1860 etwa zehn Tage. Einer der prominentesten Reiter war Buffalo Bill.

Pony Express RoutePony Express RouteRinder und Kälber

In Elko füllte ich den Tank mit Diesel auf und kaufte ein paar frische Lebensmittel ein. Zum Übernachten wählte ich einen abgelegenen Platz ausserhalb von Elko.Den Platz teile ich mit ein paar neugierigen Rindern und Kälbern. In der Nacht rüttelte der Wind am Van, der sich mit dem Morgengrauen verabschiedete. Leider scheint es der Maus im Van zu gefallen. Mir gefällt es gar nicht, dass sie sich bei mir zu Hause fühlt.

Wild Horse ReservoirOwyhee RiverOwyhee River

Als nächstes Ziel wählte ich Mountain Home. Vor zwei Jahren war ich schon einmal dort. Damals kam ich aus einer anderen Richtung und werde auch dieses Mal in eine andere Richtung weiterfahren. Der erste Teil der 300 Kilometer langen Strecke war wie gehabt. Trockene Landschaft mit vielen geraden Strecken. Bei einer Baustelle musste ich 20 Minuten warten. Der Belag auf einer Spur wurde erneuert. Nach dem «Wild Horse Reservoir» schlängelte sich die Strasse entlang des Owyhee River durch sein schmales Tal. Es ist grün in diesem Tal und das bleibt auch so, als es breiter wird. An der Grenze zu Idaho verläuft die Strasse nicht mehr parallel zum Fluss. Mit dem Bundesstaatwechsel wird die Uhr um eine Stunde vorgestellt. In Mountain Home fahre ich zuerst zum Warenhaus Walmart. Vermutlich haben die eine Mausefalle. Ich finde jedoch nur eine Falle, die die Maus tötet. Dumm für die Maus, aber sie ist wirklich am falschen Ort in meinem Van.

Owyhee RiverMountain HomeMountain Home

Der gewählte Ort zum Übernachten sieht immer noch gleich aus wie vor zwei Jahren.

Als ich an einer Tankstelle Wasser auffülle, spricht mich Brenda an. Sie ist mit ihren drei Hunden in einem grösseren Van unterwegs. Wenn sie nicht mit dem Van unterwegs ist, wohnt sie in Las Vegas. Als Ex-Armeeangehörige bekommt sie früh Rente. Sie ist schätzungsweise etwas über fünfzig. So sehen die Gespräche aus, wenn man andere mit einem Van antrifft. Woher kommst du? wohin fährst du? wo warst du schon? wie lange bist du unterwegs? kennst du dies oder das? ah ja, und mein Name ist … – Nice to meet you.

US 95US 95Oregon Route 78

Zunächst fuhr ich auf der Interstate 15, dann bog ich auf die US 95 ab. Später wechselte ich auf der Oregon Route 78, wo ich nach der vier- bis achtspurigen Interstate 15 an ein ruhigeres Fahren dachte. Nach meiner Interpretation der Karte schien die US 95 eine weniger befahrene Strasse zu sein. Erst auf der Oregon Route 78 wurde es ruhiger. In den USA und Kanada habe ich schon einige kleinere und grössere totgefahrene Tiere gesehen. Auf dieser Strecke sah ich zum ersten Mal einen toten Schwarzbären am Strassenrand liegen. Wie in der ganzen Region führten gerade Strassen durch die Prärie. Insgesamt waren es 271 Meilen (436 Kilometer) bis Burns. Dort übernachtete ich auf dem grossen Lkw-Parkplatz einer Tankstelle.

Die Maus gibt es immer noch. Der Käse lockt sie jedoch nicht in die Falle. Vielleicht mag sie keinen Bio-Parmesan.

Oregon Route 78Oregon Route 78US 20

Je weiter ich auf dem Central Oregon Highway US 20 westwärts nach Bend fuhr, desto grüner wurde die Landschaft. In Bend bestellte ich fünf neue Reifen. Nach 74000 Kilometern haben die Reifen nicht mehr genügend Profil, um als All-Terrain-Reifen zu gelten. Ein Ölwechsel ist auch notwendig. Zunächst steuerte ich in Bend eine Car Wash-Anlage an. So staubig, wie der Van ist, wollte ich ihn nicht in die Werkstatt fahren. Auch ich hatte eine gründliche Reinigung nötig. Im örtlichen Schwimmbad gibt es eine Sauna und ein Dampfbad. Es ist für mich immer sehr ungewohnt, in Badehose in der Sauna und im Dampfbad zu sitzen. Dafür sitzt man in der Sauna nicht auf einem Tuch. Andere Länder, andere Sitten. Direkt vor der Werkstatt habe ich übernachtet.

US 20US 20