Von Hansueli auf Montag, 20. April 2026
Kategorie: Nordamerika

Kurze Gemeinsamkeit …. leider wieder alleine

Mitte Oktober 2024 suchte ich auf einer deutschsprachigen Partnerbörse für Menschen ab 50 eine Partnerin, die Freude am Reisen hat. Ich hatte genug vom Alleinreisen. Ein humorvolles Foto sprang mir ins Auge und das geschriebene Porträt von «Nanixi» bestärkte mich darin, ihr eine kurze Notiz zu schreiben.

Salü Nanixi,
Gemütlichkeit zu Hause gibt es bei mir im traditionellen Sinn nicht. Mein Zuhause hat 4 Räder und steht in wechselnden Umgebungen. Ansonsten ...
Lieber Gruss aus der Prärie östlich der Rocky Mountains
Hansueli

Zur gleichen Zeit besuchte «Nanixi» ihren ältesten Sohn in Hannover. Er half ihr ein neues Handy in Betrieb zu nehmen.
Erst als «Nanixi» ein paar Tage nach Hause später zurückkam, sah sie diese E-Mail von der Partnerbörse. Sie hatte vergessen, dass sie dort noch ein Profil hat. Neugierig geworden, schaute sie sich mein Profil an und schrieb mir zurück.

Servus Hansueli,
dein Profil zeigt ein außergewöhnliches Leben. Genau so hatte ich mir früher mein eigenes Rentnerdasein vorgestellt: unterwegs sein, gemeinsam spontane Ideen entwickeln und Entscheidungen treffen, Natur genießen, zu zweit viel Neues erfahren.
5 Wochen USA-Nationalparks mit gemietetem Camper vor 10 Jahren durfte ich zu zweit erleben.
2 Wochen Kajak-Reise (Elbe - Havel) mit Zelt und Grill vor 4 Jahren waren traumhaft.
So ein Leben im Camper kann ich mir gut vorstellen. Jedoch muss die Chemie stimmen. Das kann nur ein persönliches Kennenlernen zeigen.
Deine Gedankenwelt ist ähnlich der meinen.
Ein Nachtmensch bin ich ebenfalls.....
Von mir jetzt erstmal alles Gute für dich,
Nanita aus Vaterstetten bei München

Schnell wurde die Kommunikation von Partnerportal auf WhatsApp verlegt. Ein paar Tage später nutzten wir zusätzlich das Videotelefon. Von Montag bis Donnerstag gab es Zeitblöcke, in denen ein Gespräch nicht möglich war. Da hatte „Karin Sport” bei Nanita über Zoom den Vorrang.

Anfang November war Nanita mit einer Gruppe im Bayerischen Wald wandern. Ob die „Chemie” stimmt, kann über WhatsApp-Videotelefonie nicht festgestellt werden. Da waren wir uns einig. Kurzentschlossen stellte ich meinen Van in Seattle ab und flog nach München, ohne einen Rückflug zu buchen. Nanita warnte mich, dass ihr jüngster Sohn zwei Tage nach meiner Ankunft aus Norwegen zu Besuch kommen würde. Dies war jedoch kein Grund, das Kennenlernen hinauszuschieben. Am 13. November holte Nanita mich am Münchner Flughafen ab. Zur Begrüssung gab es eine lange Umarmung. Schnell stellte sich heraus, dass ein alleiniger Rückflug nach Seattle kein Thema war. Stattdessen buchten wir ein kleines Hotel auf La Gomera für drei Wochen ab Mitte Dezember.


Der Termin für Karin Sport blieb bestehen, neu wurde gemeinsam Gymnastik im grossen Wohnzimmer gemacht.


Für die geplante Schneeschuh-Tour im Südtirol war kein Platz für mich. Stattdessen reiste ich nach Zürich. Nach der Tour reiste Nanita mir nach und lernte meine Schwestern in Zürich, im Tessin und im Wallis kennen.

Einmal im Monat wurde mit Mitgliedern vom «Klub langer Menschen» gekegelt. Dabei war das Zusammensein war wichtiger als das Kegeln.


Nanita hatte für das Jahr 2025 einige Termine abgemacht. Besonders wichtig war ihr die Konfirmation einer Nichte am 31. Mai.
Um an den Wanderungen des DAV teilnehmen zu können, trat ich in den Deutschen Alpen Verein ein. Um an den von Nanita geplanten Velotouren im Nördlinger Ries und nach Budapest teilnehmen zu können, kaufte ich mir ein E-Bike.

Eine Reise nach Nordamerika erforderte Planung. Im Vordergrund stand die Frage, wie ihre 94-jährige Mutter während unserer längeren Abwesenheit betreut werden könnte. Für zwei Töchter von Nanita war es selbstverständlich, für ihre Omi da zu sein.


Am 25. März reisten wir nach Seattle und richteten uns im Van ein. Zunächst besuchten wir Freunde im nahen Bellingham. Da in den Bergen noch viel Schnee lag, beschlossen wir, gemütlich an der Pazifikküste südwärts zu fahren. Ich kannte aus früheren Reisen einige schöne Plätze abseits der Touristenströme. Gemeinsam genossen wir Wanderungen entlang der Küste, durch grosse Redwood-Wälder oder Sanddünen. Für Nanita war das Fahren auf kleinen Nebenstrassen durch Waldbrandgebiete oder über Pässe in den Rocky Mountains auf einspurigen Schotterpisten eine neue Erfahrung. Selten übernachteten wir auf einem Campingplatz. Nanita genoss den Sonnenuntergang über dem Meer oder den freien Blick in die Landschaft. Sie fühlte sich auch beim freien Übernachten in einer kleinen Seitenstrasse mitten in Las Vegas sicher. Bei einer Wanderung im Death Valley waren wir froh, wieder zurück im Van zu sein. Die Hitze unterwegs war gross.

Wir buchten einen Hin- und Rückflug von München nach Seattle, um rechtzeitig zur Konfirmation ihrer Enkelin wieder zurück zu sein. Unterwegs beschlossen wir, mit dem Van bis Phoenix zu fahren. Mit dem Gedanken, zu jeder Jahreszeit wieder zurückzukehren. In Seattle herrscht eher mitteleuropäisches Klima. In Phoenix entdeckten wir die selbstfahrenden Taxis - die mussten wir unbedingt ausprobieren!
Einen Tag nach der Konfirmation fuhren wir mit einer kleinen Gruppe des DAV-Seniorenkreises nach Nördlingen. Fünf Tage lang erkundeten wir das Nördlinger Ries mit dem Velo.


Nach einem kurzen Aufenthalt in Zürich reisten wir mit dem DAV für eine Woche ins Ultental im Südtirol, um zu wandern. Nanita kannte die Besitzer der Pension von früheren Aufenthalten.


Zur Vorbereitung der zweiwöchigen Radtour nach Budapest wurden mehrmals Tagestouren organisiert. Auf den jeweils etwa 100 km langen Velotouren lernte ich die Teilnehmenden besser kennen.

Am Samstagmorgen, dem 23. August, startete die Velotour nach Budapest. Zufällig wurde an Nanita’s Geburtstag, dem 30. August, im Restaurant zum Tanz gespielt. Es wurde eine schöne Geburtstagsfeier. Nanita nutzte die Gelegenheit, um wieder einmal ausgiebig zu tanzen.


Im Herbst nutzten wir das schöne Wetter für Tageswanderungen und Velotouren.


Auch wenn im November das Wetter in Südfrankreich nicht mehr zu baden einlädt, fuhren wir für zwei Wochen nach Oasis. Nanita war viele Jahre nicht mehr in der Ferienwohnung der Familie gewesen. Sie war selbst überrascht, wie wohl sie sich dort fühlte. „Ich fühle mich zu Hause hier”, sagte sie.


Um Sonne und Wärme zu tanken, flogen wir am 18. Dezember für drei Wochen nach Teneriffa. Ich kannte die Insel von früheren längeren Besuchen gut genug, um mit Nanita durch schöne, ruhige Landschaften zu wandern.


Kaum zurück in Vaterstetten, ging es zum Schneeschuhlaufen ins Ultental. Die Schneeschuhe blieben allerdings zu Hause. Im Südtiroler Tal hatte es zu wenig Schnee. Aber uns gefielen die Wanderungen und das Zusammensein mit den anderen Gästen.

Ursprünglich wollten Nanita und ich gegen Ende Februar in die USA reisen. Aufgrund einer geplanten Familienwoche vor Ostern verschoben wir die Abreise jedoch auf Mai.

Leider kam es nicht mehr dazu. Am 9. März, morgens um 8, brach Nanita im Badezimmer zusammen. Weder meine Erste Hilfe noch die der alarmierten Profis konnten Nanita zurück ins Leben bringen. Sie fehlt mir sehr, unsere gemeinsame Zeit war leider viel zu kurz. Wir hatten noch viele gemeinsame Pläne.



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